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Fotos (© Röckseisen) |
Papierschiff auf Reisen
Da staunten die
Scharnebecker nicht schlecht: Mitten durch ihr Dorf fuhr am Mittag des
15. November ein riesiges weißes Papierschiff.
8 Jungen und Mädchen
der Hauptschule Scharnebeck waren mit ihrem Schulleiter, Hermann Daerner,
zum Inselsee gekommen, um das 9 Meter lange und ca. 160 Kilogramm
schwere Papierschiff mit vereinten Kräften auf einen Hänger zu heben.
Hausmeister Hans-Jürgen Luck von der Samtgemeinde Scharnebeck tuckerte
dann ganz gemütlich mit seiner Fracht durch das Hebewerk und das Dorf
bis zur Scheune der Samtgemeinde. Dort wird das Schiff über Winter
bleiben.
Der Aktionskünstler
Frank Bölter, Stipendiat des Künstlerhauses Lauenburg, hatte das
Riesenpapierschiff im August für seine Fahrt auf der Elbe „bis ans Ende
der Welt“ aus tetrapak-Papier gefaltet. Aber die Wasserschutzpolizei
bremste seine Fahrt gleich beim Stapellauf vor der Hitzlerwerft.
Karin-Ose Röckseisen, Joachim Pflücker und einige Spender hatten dann
das Schiff für 201,00 € bei e-bay ersteigert und bei einem Fest am
Inselsee auf den Namen Friend-Ship getauft und mit Passagieren über den
See fahren lassen. Danach haben viele Spaziergänger es bis in den
November am Ufer bewundert. Nun wurde es Zeit, das Schiff unter ein
schützendes Dach zu bringen und wieder flott zu machen für ein paar
Fahrten über den Inselsee zur Einweihung des neuen Gebäudes und
Eröffnung der Wachsaison der DLRG im Mai 2008.
Fotos (Röckseisen):
1: Schüler/innen der Hauptschule Scharnebeck nehmen Maß, bevor sie das
Papierschiff heben. 2: Rauf auf den Hänger 3: Mitten durch Scharnebeck
zog Hans-Jürgen Luck das Riesenschiff
Und es schwimmt wirklich!
(rö) Selbst die neuen Eigentümer des
Riesen-Papierschiffes warteten mit Spannung und ein bisschen Bangen auf
den Moment, wo sie ihr Boot auf den See schoben. Würde es wirklich
schwimmen, oder womöglich kentern oder untergehen? Und wie viele
Passagiere würde es tragen?
Joachim Pflücker und Karin-Ose
Röckseisen als frisch gebackene Kapitäne hatten bei der
e-bay-Versteigerung am 5. September zwar mit 201,00€ die Nase vorn, aber
sie ahnten nicht, wie viele Schäden die empfindliche tetrapak-Folie
(beschichtetes Papier wie bei Getränkeverpackungen) bei der ersten
kurzen Fahrt des Künstlers Frank Bölter auf der Elbe, der 2-wöchigen
Liegezeit ungeschützt am Elbufer in Lauenburg und dem Transport zum
Inselsee schon erlitten hatte. 2 Wochen brauchten die Helfer Gerhard
Budde und Günter Harder, um mit der Heißluftpistole Flicken auf die
Löcher zu schweißen, eine Reling und Querstreben aus Plastikrohren
anzupassen und den „Schornstein“ mit Styropor und Bauschaum zu
versteifen. Am Ende wurde das ca. 140 Kilogramm schwere, 9 Meter lange
Boot von vielen Helfern – sogar Jogger vom Deich halfen – auf einen
Holzschlitten gehoben und mit dem Auto zum Ufer geschleppt. Als am 7.
Oktober um 14 Uhr die ersten Neugierigen auftauchten, waren die
Bootsbauer noch mit dem Verlegen des Schiffsbodens und dem Kleben der
Dekoration am Schornstein beschäftigt.
Um 14.30 Uhr übergaben die Bauplaner
Verges und Tischler dem Scharnebecker Bürgermeister feierlich den
Riesenschlüssel zum neuen Gebäude am See, in dem die Wachstation und
Schulungsräume der DLRG, ein Kiosk und 4 öffentliche Toiletten
untergebracht sind. Um 15 Uhr schließlich taufte Karin-Ose Röckseisen
das Papierschiff auf den Namen „Friend-Ship“, passend zu einer Aktion
des Kinderhilfswerkes Unicef, dem ein Teil der Spenden zukommen sollte.
Allerdings konnte am Papierbug keine Sektflasche zerschlagen werden, so
dass eine Sekt-Dusche genügen musste. Bei herrlichem Wetter beobachteten
fast 300 Schaulustige, wie der standhafte Zinnsoldat, Rene Sperber in
einem Kostüm des Lüneburger Theaters, an Bord ging und über den See
glitt. Dazu lauschten sie dem Märchen von Hans-Christian Andersen über
den Zinnsoldaten, der mit seinem einen Bein eine abenteuerliche Fahrt in
einem von Gassenjungen gefalteten Papierschiffchen meisterte.
Anschließend warteten die Passagiere
geduldig, bis sie eine Schwimmweste übergestreift bekamen und an Bord
durften. Selbst Samtgemeindebürgermeister Karl Tödter und Bürgermeister
Hans-Georg Führinger ließen sich den Spaß nicht entgehen. Die meisten
gaben gern für diese außergewöhnliche Fahrt eine Spende zugunsten von
Unicef und der Seesanierung. Zusammen mit dem Zinnsoldaten und Gerhard
Budde in seiner Kapitänsuniform passten ca. 8 Passagiere auf das Schiff,
ohne dass jemand Angst zu haben brauchte. Von starken Armen wurde das
Schiff an Seilen hin und her über die Badebucht gezogen, und ein kleines
Schlauchboot war zur Sicherheit immer am Schlepptau.
Um 16 Uhr schließlich waren die 150
weißen Papierschiffchen, die fleißige Helferinnen gefaltet hatten, für
je einen Euro verkauft und nummeriert worden, wurden von Bord des großen
Papierschiffes aus mitten auf der Bucht ausgesetzt und trieben wie ein
Schwarm weißer Vögel vor dem Wind. Am Ufer warteten die Eigentümer, dass
ihre kleinen Schiffe landeten, damit sie ihren Preis abholen konnten.
Zwei ungeduldige Kinder zogen sich sogar nackt aus und wateten durch das
15 Grad kalte Wasser, um als Erste ihre Schiffe zu finden.
Nach vielen Fahrten wurde das Schiff
schließlich an Land gezogen. Und da liegt es noch bis Mitte November,
bevor es zur Winterruhe in eine Scheune gefahren wird. Viele
Schaulustige kommen vorbei, um das vielleicht größte Papierschiff der
Welt zu sehen. Die Helfer sind zwar erst einmal müde, aber die
Bootseigentümer hoffen doch, das Schiff nach einigen Reparaturen noch
einmal zur Eröffnung der Wachsaison der DLRG Anfang Mai 2008 über den
See fährt.
Lesen Sie auch:
Vorbereitungen zur "Aktion Papierschiff
auf dem Inselsee"
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